Günter Kupetz (1925-2018)

Günter Kupetz (1925-2018) © Rat für Formgebung

Wenn Sie das nächste Mal ein Glas Mineralwasser aus der „Perlenflasche“ eingießen, nutzen Sie den Moment, um einem Gestalter zu gedenken, der das deutsche Nachkriegsdesign nicht nur in der akademischen Ausbildung, sondern auch im Alltag aller prägte: Günter Kupetz, geboren im November 1925 in Rüdersdorf bei Berlin. Er gewann Popularität als Designer der Normbrunnenflasche für Mineralwasser, die seit 1971 mehrere Milliarden mal hergestellt wurde und damit wohl eine der erfolgreichsten Mehrwegverpackungen der Welt sein dürfte.

Doch in Kupetz’ gestalterischem Schaffen bildet dieser Erfolg nur eine Facette von vielen. Nach dem Krieg begann der gelernte Maurer ein Architekturstudium, wechselte zur Grafik, um schließlich als Schüler des Bildhauers Bernhard Heiliger in die dritte Dimension vorzustoßen. Auf dieser Basis arbeitete Kupetz als Gestalter von Gebrauchsgegenständen, unter anderem von 1954 bis 1961 für die WMF. Seine Entwürfe standen auf der Mailänder Triennale 1957 und der Expo 58 in Brüssel.

Zusammen mit anderen profilierten Gestaltern gründete er 1959 den Verband Deutscher Industrie Designer (VDID) und formte damit maßgeblich das heutige Berufsbild. Er baute in den 1960er Jahren an der damaligen Werkkunstschule in Kassel die Abteilung für Industrial Design auf, wurde 1971 Professor an der Kunsthochschule Kassel und wechselte 1973 an die HdK Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte.

Die Leidenschaft für Design gab er auch an seinen 1968 geborenen Sohn Andrej Kupetz weiter, der Industriedesign studierte und heute als Hauptgeschäftsführer den Rat für Formgebung leitet. Zum 80. Geburtstag widmete das Bauhaus-Archiv Berlin Günter Kupetz 2006 eine Werkschau. Sie dokumentierte die Breite seines Schaffens auch jenseits der Perlenflasche, dazu erschien eine umfassende Monografie als Katalog. Günter Kupetz verstarb am 24. März 2018 im Alter von 92 Jahren in Bad Malente.

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