Kasseler Bürger*innen gewinnen ihr Gesicht zurück

Das Stadtmuseum hat für ein Seminar der Universität Kassel (Kunsthochschule) im Winter 2017/18 sein Depot geöffnet. Rund 20 Studierende der Kunstwissenschaft recherchierten für ein halbes Jahr zu einzelnen Porträts bis dato unbekannter Personen. Jeder Forscher war Pate für ein Porträt. Er wollte herausfinden: Wer ist dargestellt und wer hat es gemacht. Das sind natürlich die auf der Hand liegenden Fragen, die auch nach fast kriminalistischen Recherchen in einigen Fällen beantwortet werden konnten.

Wichtiger als die Antworten waren für die Studierenden, die Erfahrung, welche unkonventionellen Schritte neben den wissenschaftlichen Pfaden manchmal auch zu Ergebnissen führen können: Was haben beispielsweise Ohren mit der Datierung zu tun, was lässt uns ein Fächer vermuten, was sagt die Hand im Gewand, was verrät das Busentuch oder eine kunstvolle Bernsteinkette. Über diese kleinen Spuren erhalten so der Kasseler Apotheker, Förster, Stadtkämmerer, Vergolder oder Verleger samt Ehefrauen, also die Auftraggeber dieser Bilder wieder ihr Gesicht zurück und Kasseler Maler ihre nicht signierten Werke zugewiesen.

Für das Stadtmuseum, insbesondere für die Kuratorin Kathrin Schellenberg, bedeutete dieses Pilotprojekt einen beachtlichen Mehraufwand, schon allein an Transporten, weil man die dezentral gelagerte Depotware auch eigens unter die Lupe nehmen wollte. Aber im Ergebnis können seitens der Kunstwissenschaftler*innen unter Leitung von Prof. Dr. Martina Sitt nun rund 150 Seiten an Informationen für das Archiv des Museums übergeben werden.

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