Rundgang 2019: Die Preisträger*innen

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Rundgangs 2019, Foto: Holger Jenss

Vom 18.07.–21.07.2019 fand an der Kunsthochschule Kassel (KhK) wieder der jährliche Rundgang statt. COME TO MOTHERBOARD (zu Deutsch: Kommen Sie auf die Hauptplatine) war der Aufruf an die Studierenden und die Besucher*innen des Rundgangs, zusammenzukommen und Schnittstellen zu schaffen. Einer zentralen Computerplatine ähnelnd, sollte die KhK als Ganzes verstanden werden, und zwar als ein Raum, indem sich einzelne Komponenten zu mehr als die Summe ihrer Teile verbinden und ineinandergreifen.

Interessierte Besucher*innen nahmen an den zahlreichen Führungen, Ausstellungen, Talks und Filmvorführungen teil und erlebten eine Hochschule, die sich immer wieder neu erfindet und in die Zukunft denkt. Am 19.07. wurden herausragende Arbeiten von Studierenden aller Studiengänge in einer Preisverleihung gewürdigt. Eine hochkarätig besetzte Jury besichtigte zuvor die ausgestellten Arbeiten. Ausgezeichnet wurden folgende Werke und Gruppen:

Alexandra Leibmann „Jungs von der Kante“
Preis der Universitätsgesellschaft Kassel e.V. (UGK), 750 Euro

Die Regisseurin Alexandra Leibmann erzählt ein gut beobachtetes Portrait über eine Gruppe junger Menschen, die sich über Jahre hinweg einen Schutzraum gebaut haben, der ihnen ermöglicht, in einer festen Gemeinschaft, in direkter Nähe zur Natur und mit der Möglichkeit, in Form des Rausches, auf sich selbst zurückzufallen. Der Film scheint etwas über die simplen Dinge zu erzählen, die ein Leben in Zufriedenheit ermöglichen. Bemerkenswert sind ebenso der dramaturgische Aufbau sowie die Fähigkeit der Filmemacherin, ihre Protagonisten zu öffnen, sodass sie einen authentischen Einblick in ihren Mikrokosmos gewähren.

Fiona Körner „Gender Diversity“
Birgit-Bolsmann-Preis, 1.100 Euro

Fiona Körner schafft es, mit ihrer fotografischen Arbeit „Gender Diversity“ einem strapaziertem Thema neue Aspekte abzugewinnen. Sie dokumentiert eine Anzahl sich unterscheidender Einzelheiten und Details und erstellt somit eine visuelle Definition des Begriffs Komplexität. Auf diese Weise gelingt ihr ein beeindruckend intelligenter Umgang mit dem Thema. Die fotografische Reihe „Gender Diversity“ entstand im Rahmen einer Auftragsarbeit, weshalb die einzelnen Abzüge auf Druckfahne ausgestellt werden.

Elko Braas „Try Keeping It Balanced“
Preis der SV SparkassenVersicherung Holding AG, 1.100 Euro
Bei der Rauminstallation „Try Keeping It Balanced“ von Elko Braas versuchen zwei technische Geräte, einen in der Luft hängenden Stein auszubalancieren. Da jedes Gerät unabhängig vom anderen versucht, den Stein auszubalancieren, arbeiten die Geräte gegeneinander. Der Stein, eine Masse, die naturgemäß in sich ruht, gerät somit aus der Balance. Die Arbeit beeindruckt durch den technischen Aufwand einerseits und den vielschichtigen Assoziationsraum andererseits. Die Installation scheint etwas über den Zustand der Welt und über Menschen zu erzählen. Elko Braas öffnet einen Interpretationsspielraum.

CAMPING Klasse Nils Holger Moormann
Preis der SV SparkassenVersicherung Holding AG, 1.100 Euro

Die Klasse von Nils Holger Moormann hat sich geschlossen dem Thema CAMPING gewidmet und dieses gemeinsam und konsequent umgesetzt. Die einzelnen Exponate sind mit Fantasie entwickelt und handwerklicher Präzision umgesetzt. Ebenso bemerkenswert ist die gemeinschaftliche und Thema getreue Präsentation der Werke.

Sina Rockensüß „Where? I was a Stranger and you took me“
Preis der SV SparkassenVersicherung Holding AG, 300 Euro
Sina Rockensüß dokumentiert in ihrem Buch „Where? I was a Stranger and you took me“ die Installation des Obelisken von Olu Oguibe in Kassel. Sie setzt sich mit dem Thema auf humorvolle und trotzdem kritische Art auseinander und zeigt damit die subversive Kraft, die Kunst innehat. Das Medium Buch steht heutzutage, im Zuge der Digitalisierung, unter Druck. Sina Rockensüß hat dem Thema gestalterisch sehr viel abgewonnen, weshalb ihre Leistung ausgezeichnet wird.

Milen Stein „Filzbowls"
KhK-Klangpreis
(Wolfram DER Spyra), 300 Euro
Obwohl die Arbeit von Milen Stein keine Klänge erzeugt, sondern vielmehr unerwünschte Raumresonanzen durch Streuung und Dämpfung unterdrückt, zählt sie dennoch zur Kategorie Klangkunst, da eine Verbesserung der Raumakustik mit optisch und haptisch ansprechender Formensprache und Materialität verbindet. Zudem können „Filzbowls" im Gegensatz zu den üblichen industriell gefertigten Schalldämmmatten aus nachhaltigen Materialien in Behindertenwerkstätten hergestellt werden.

Julian Angermann „Kommune“
Lobende Erwähnung der Jury

Julian Angermann setzt in seiner Arbeit „Kommune“ diverse Medien in einen vielschichtigen Kontext zusammen und zeigt somit relevante Parallelen von Geschichte und Gegenwart auf. Die Umsetzung des Themas lässt sein künstlerisches Potential erkennen, weshalb seine Leistung eine lobende Erwähnung erhält.

Jury: Catherine Lieser, HessenFilm und Medien GmbH, Nachwuchsförderung, Peter Stohler, Geschäftsführer der GRIMMWELT Kassel, Dr. Sabine Schormann, Geschäftsführerin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Wolfram DER Spyra.

Weitere Preise im Rahmen des Rundgangs:
Der Preis der Mitarbeiter*innen der Kunsthochschule Kassel wurde an Gizem Akbas für ihr Projekt „Good Company“ verliehen. Die studentischen Preise gingen an die Klasse Melhus für das Projekt „Changing Room sowie an Anna Verena Lumma „Preis für Courage“

Jury: Anna Berger (künstlerische Mitarbeiterin) sowie studentische Vertreter*innen der Kunsthochschule.

 

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