„Kunstinitiative2020“ für Jonas Grubelnik

Sieger der "Kunstinitiative2020“ Jonas Grubelnik, Absolvent der Kunsthochschule Kassel, Bild: EKHN/privat

Mit Stoff, Fliesen und Video wollen sie dem "Anderen" begegnen. Jetzt sind drei junge Kunstschaffende mit dem evangelischen Preis über 45.000 Euro ausgezeichnet worden. Demnächst werden deshalb drei Wiesbadener Kirchen ganz anders aussehen.

Die Gewinnerin und die Gewinner des mit insgesamt 45.000 Euro dotierten Kunstpreises der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) stehen fest. Siegerin und Sieger der „Kunstinitiative2020“ sind Ivana Matić aus Mainz, Jonas Grubelnik aus Kassel und Patrick Wüst aus Kiel, teilte die hessen-nassauische Kirche am Montag (9. März) in Darmstadt mit. Das Besondere an dem evangelischen Kunstpreis: Die eingereichten Konzepte werden in den kommenden Monaten verwirklicht und sind ab dem 30. August bis Anfang Oktober 2020 in drei Wiesbadener Kirchen zu sehen.

Zuvor hatte das Kuratorium der „Kunstinitiative2020“, das sich aus neun deutschen Kunstinstituten wie etwa der Frankfurter Städelschule oder der Kunsthochschule Kassel zusammensetzt, rund 30 Teilnehmende zum Wettbewerb vorgeschlagen. Die Aufgabe bestand darin, sich mit dem diesjährigen Projektthema „Die Anderen“ künstlerisch auseinanderzusetzen. Eine unabhängige Fachjury hat nun die drei prämierten Vorschläge ausgewählt. 

Die Kunstschaffenden

Jonas Grubelnik (Absolvent der Kunsthochschule Kassel) wird die Marktkirche im Zentrum Wiesbadens mit einer textilen Installation durchziehen. Durch die Gemeinde wird eine Grenze gehen. „Ich“ und „Wir“ auf der einen Seite, „die Anderen“ auf der gegenüberliegenden. Die Rauminstallation wird zum Ausprobieren einladen und zu Gedankenspielen. Mit dem „Wir“ entsteht ein Gefühl für „die Anderen“. Doch was trennt wirklich? Viele Grenzen sind rein willkürlich und verschleiern den Blick aufeinander. Das interaktive Kunstwerk inszeniert Menschen im Raum und wird zum Spiegel für die Gesellschaft. Der Künstler wurde 1978 in Gronau an der Leine geboren. Er lebt und arbeitet in Kassel.

Ivana Matić plant für die Wiesbadener Bergkirche eine Arbeit, die sich aus ungewohnter Perspektive mit der Frage nach Heimat auseinandersetzt. Die Mainzer Künstlerin wurde 1986 im ehemaligen Jugoslawien geboren und erlebte als Kind den Bürgerkrieg. Damals wurden „die Einen plötzlich zu den Anderen“, sagt sie. Mit ihrer Auswanderung nach Deutschland vor fünfzehn Jahren sei sie erneut zu einer anderen geworden. Darum setzt sich ihr Projekt mit kultureller Identität auseinander. In Serbien will sie zusammen mit einem befreundeten Künstler auf traditionelle Weise Keramikfliesen herstellen und sie dann in der Bergkirche auslegen. Das begehbare Kunstwerk wird mit ihren Zeichnungen gestaltet sein, inspiriert von Alltagsgegenständen, Mustern und Motiven ihrer alten Heimat. Es wird zum Dokument für unterschiedliche Lebenswelten, aber auch für Wege der Kommunikation.

Patrick Wüst wird die Besucher und Besucherinnen der Kreuzkirche in Wiesbaden auf eine Reise in einen fast vergessenen Teil Europas mitnehmen. „An einem anderen Ort“ heißt das Video-Projekt des Künstlers. Der 1993 in Sinsheim geborene Künstler studierte in Karlsruhe und lebt und arbeitet derzeit in Kiel. Er wird die Gäste der Kreuzkirche mit einer virtuellen Fahrt durch Transnistrien führen. Es handelt sich um ein Gebiet im Osten Europas, offiziell ein Teil der Republik Moldau. Das Land, das manche als „Zeitkapsel der ehemaligen Sowjetunion“ bezeichnen, beansprucht Unabhängigkeit. Doch es wird von der UNO nicht anerkannt. Der Künstler interessiert sich für solche „realen Nichtorte“. Bislang konzentrierte er sich dafür auf dystopische Architekturen im Medium Film und Fotografie. Nun will er eine Collage aus Reiseimpressionen und Begegnungen zusammenstellen. Es wird ein Stimmungsbild von einem Land, das anders ist, aber auch stellvertretend steht für viele Nationen, die auf keiner Landkarte zu finden sind.

Hintergrund
Die „EKHN-Kunstinitiative“ versteht sich als Förderpreis für junge Kunstschaffende, aber auch als Unterstützung für die Kulturarbeit in den gastgebenden Kirchen. Für die Verwirklichung der drei Werke stehen jeweils 15.000 Euro zur Verfügung. Ein Katalog wird neben den prämierten Arbeiten auch alle anderen Einreichungen zum Wettbewerb dokumentieren.

Im Ausstellungszeitraum werden eine Reihe von Konzerten, Künstlergesprächen, Vorträgen, Gottesdiensten und Führungen das Thema „Die Anderen“ begleiten und vertiefen.

Das Projekt steht unter der Leitung des Zentrums Verkündigung in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Frankfurt und dem Evangelischen Dekanat Wiesbaden. Es wird zudem von der EKHN-Stiftung unterstützt. Die „kunstinitiative“ wurde erstmals im Jahr 2017 zum Thema „Gnade“ in Darmstadt durchgeführt.

Quelle:
https://www.ekhn.de/ueber-uns/presse/detailpressemitteilungen/news/evangelische-kunstinitiative2020-mit-stoff-fliesen-und-video.html

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