Textilwerkstatt per Postversand

Ein Weberei-Kurs im digitalen Semester, ohne Werkstatt? Doch, das geht. Nadja Porsch, Leiterin der Studienwerkstatt Textil an der Kunsthochschule Kassel, schickt den Studierenden kurzerhand das Textillabor nach Hause.

In diesem Semester, das unter Corona-Bedingung so anders stattfindet als erwartet, finden fünf Lehrveranstaltungen der Textilwerksatt statt. Darunter ist auch ein Kooperations-Weberei-Kurs mit einer Dozentin aus der Landschaftsästhetik im Entwurf, Dipl.-Ing. Christine Baumgartner. „Grown in Germany“ heißt die Veranstaltung, in dem der Fachbereich ASL und Studierende der Kunsthochschule gemeinsam arbeiten – mit Materialien, die in Deutschland wachsen, anfallen und verarbeitet werden können. „Wir hören Referate zu Hanf, Brennnessel, Biokunststoffen, Pilzleder, Milchproteinfaser“, berichtet Nadja Porsch, die die Textilwerkstatt zur Zeit leitet. „Wir haben per Zoom eine Referentin aus Berlin dabeigehabt, die selbst entwickelte Materialien vorgestellt hat, und lernen die Gewebegrundbindungen zu weben - auf der Suche nach neuen Einsatzmöglichkeiten in der Architektur und Landschaftsarchitektur.“

Doch wie können die Studierenden diese Praxis üben in einem Semester, das fast ausschließlich digital stattfindet? „Ich behelfe mir mit selbst gedrehten Erklärvideos und biete über den Theorie-Input hinaus betreutes Weben immer donnerstags in Einzelvideokonferenz oder Kleingruppen an“, erzählt Porsch. „Aber bei allem Digital-Unterricht will ich, dass die Studierenden etwas Analoges, eine haptische Aufgabe haben.“ Die Lösung: Sie verschickt an alle Studierenden kleine Pakete mit Stoffen, Werkzeugen, Materialien, Selbst-Bau-Anleitungen– bis nach China, von wo aus einige Studierende die Kurse besuchen. „Und dann machen wir Video-Unterricht.“

Das läuft nach ihren ersten Erfahrungen erstaunlich gut. Zwar ist dies kein Dauer-Ersatz für eine ausgestattete Werkstatt und den persönlichen Blick der Dozentin, so die Werkstattleiterin: „Insbesondere fehlt es an der Möglichkeit, persönlich zu intervenieren, etwa, wenn ich merke, bei jemandem stimmt die Hand-Kopf-Koordination noch nicht.“ Andererseits seien die Teilnehmer jetzt flexibler. „Für mich persönlich toll ist, dass einige Studierende nach China zurückgekehrt sind und trotzdem an den Veranstaltungen teilnehmen können.“

Porsch schickt einen großen Dank an viele Helfer in der Universität und in der Kunsthochschule: von den Sekretärinnen über Mitarbeiterinnen in der Personalabteilung, Professorinnen und Professoren bis hin zu den Mitarbeitern der Poststelle in der Mönchebergstraße, die den Versand organisiert haben.

Das Semester wird auf absehbare Zeit digital bleiben, auch wenn es für die Werkstätten Lockerungen gibt. „Aktuell sind die Werkstätten der Kunsthochschule im behutsamen Öffnungsprozess und ich flattere ab, hänge aus, erstelle Listen und Sitzordnungen für vorerst wenige Studierende, die dort an Projekt oder Diplomarbeiten arbeiten möchten“, berichtet Porsch.

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