Die rege Kommunikation unter Elefanten

Die Sprache der Elefanten ist nicht nur reich an Tönen, Lauten und Klängen, sondern die Tiere kommunizieren auch miteinander. Für Tanja-Kristine Böhme besitzen Elefanten eine eigene Sprache und sind somit soziale und politische Subjekte. Zahlreiche Forschungsergebnisse belegen, dass Menschen die meisten Laute von Elefanten allerdings nicht wahrnehmen. Jedoch können Elefanten auf eine Entfernung von bis zu zehn Kilometern per „Boden­infraschall“ kommunizieren. Die Töne haben eine Intensität von bis zu 103 Dezibel, das übertrifft an Lautstärke einen Presslufthammer.*

Für ihre künstlerische Forschungsarbeit (Zeitraum 2017 bis 2020) „And Say the Elephant Responded“ führte Böhme Untersuchungen in verschiedenen Zoos durch. Sie spielte den Zoo-Elefanten Musik und Walgesänge vor, um dabei stundenlang deren Reaktionen zu beobachten. Anschließend folgte nach einer monatelangen Korrespondenz mit dem „Elephant Listening Project“ in Afrika, Gabun, Kongo und der Zentralafrikanischen Republik ein Forschungsaufenthalt beim „Bioakustik Labor“ in Ithaca (USA). Dort interviewte die Künstlerin für ihre Forschungsarbeit Bioakustikforscher*innen und stellte Filmmaterial zur akustischen Kommunikation von Elefanten zusammen.

Böhme recherchierte zudem über die Sprachen der Tiere in der Philosophie und stieß hierbei auf die politischen Zusammenhänge von Sprache, Denken und Menschsein: „In der traditionellen Philosophie kommen die Tiere nicht als denkende, sprechende und politische Subjekte vor“, erklärt Böhme. Seit ihrem Projekt habe sich ihre Beziehung zu Tieren geändert. „Ich „grüße“ beispielsweise Hunde, die mir unterwegs begegnen. Diese Tiere müssen sich ja zwangsläufig in einer Welt bewegen, die nicht hundekonform ist. Für mich ist es dann nur eine Frage der Höflichkeit, wenn ich einen Hund auf Augenhöhe begrüße“, so die Künstlerin.

Die Bildende Künstlerin wünscht sich, dass die künstlerische Forschungsarbeit in der Forschungslandschaft mehr Anerkennung findet. „Alle Forschungsdisziplinen sollten gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Die künstlerische Forschung wird oft benachteiligt. Dies wird vor allem deutlich, wenn wir uns die Zuweisung von Fördermitteln oder die Finanzierung von Personalstellen an Hochschulen anschauen“, betont Böhme.

Die Diplom-Chemikerin Böhme studierte von 2014 bis 2020 Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel. Seit dem Sommersemester 2021 ist sie Meisterschülerin von Mounira Al Solh (Performance, Installation, Medien). Böhme wird sich demnächst beim Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven akustische Aufnahmen von verschiedenen Meerestieren anhören und für ihr Projekt die Instituts-Wissenschaftler*innen interviewen. Mit den Aufnahmen möchte sich die Künstlerin verstärkt dem künstlerischen Schwerpunkt Sound-Art widmen.

Im Rahmen der EXAMEN 2020 (Absolvent*innenausstellung der Kunsthochschule Kassel) wurde Böhme zu ihrem Abschlussprojekt „And Say the Elephant Responded“ interviewt – Link dazu: www.youtube.com.

(Text: Çiğdem Özdemir)

Pressekontakt
Çiğdem Özdemir
Kunsthochschule Kassel
presse[at]kunsthochschulekassel.de

* Vgl. www.tierwelt.ch/news/wildtiere/die-geheimnisvolle-sprache-der-elefanten (Zugriff: 05.05.21)

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