Vertretungsprofessur Theorie und Praxis

Die Gesellschaft der Gegenwart ist in ihrem Alltag in vielerlei Hinsicht auf die Leistungen des Designs angewiesen. Designerinnen und Designer beschäftigen nun mehr nicht allein mit materiell-dinglichen Entwürfen, sondern widmen sich als Experten in interdisziplinären Teams komplexen Aufgabenstellungen, die den Alltag vieler Menschen betreffen. Ob als Design Thingking oder im Bereich des Social-Designs das Berufsfeld des Designers erfordert zunehmend erweitere Kenntnisse und Reflexionsfähigkeit. Ein erweitertes Designverständnis, welches unter Design mehr als die klassische Formgebung industrielle Formgebung versteht, trägt dieser Entwicklung Rechnung und erfordert in der Ausbildung von Gestalter eine stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis. Das Lehrgebiet Theorie und Praxis vermittelt an dieser Stelle, neben designwissenschaftlichen Grundlagen, auch Ansätze aus den benachbarten Wissenschaftsdisziplinen wie Soziologie, Ethnologie und Medientheorie, die sich in jüngerer Zeit verstärkt mit materiellen Kultur und ihrer Gestalt beschäftigen.

Als besondere Form protosprachlicher Kommunikation spielt das Design in nahe zu jeder Alltagssituation unterschwellig eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht Bedeutungen zu vermitteln, bestimmte Erwartungen zu bestätigen oder zu unterlaufen und Handlungsvollzüge zu ermöglichen. Die Entwürfe des Designs wirken somit stets auch auf den Verlauf sozialer Interaktion zurück, in dem die Gestalt bestimmte Selektionen und Möglichkeiten nahe legt und andere ausschließt. Auf diese Weise beeinflusst Design Bewusstsein, Körper und Kommunikation und in letzter Konsequenz auch die Möglichkeiten des Sozialen selbst. Design tritt als eine Praxis, eine Disziplin und eine besondere Form der Beobachtung zweiter Ordnung in Erscheinung, deren Leistungen von zentraler Bedeutung für den Alltag moderner Gesellschaften sind, da sie in einem nicht unerheblichen Umfang zu sozialer Synthese und Strukturbildung beitragen. Analytische Kompetenzen und gesellschaftstheoretische Grundlagen sind somit für angehende Gestalter von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht neben der Perspektive von Nutzern, auch soziale, ökonomische, politische und ökologische Dimension von Entwürfen zu verstehen und die eigene Praxis kritisch zu hinterfragen. Das Lehrgebiet „Theorie und Praxis“ vermittelt die entsprechenden designwissenschaftlichen und kulturtheoretischen Erklärungsansätze.

Lehrende

Groll, Sandra

Groll, Sandra

Vertretungsprofessur für Theorie und Praxis der Gestaltung

Sandra Groll, *1978, Dipl. Design, Studium Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Doktorandin (Dr. phil.) an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Lehrte Designtheorie, Designgeschichte und allgemeine mehr…

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